Brachytherapie mit GliaSite

Kontinuierlich verbessern sich die Verfahren zur Behandlung von Hirntumoren.
Permanent steigt die Hoffnung.

Dieser Beitrag bietet Ihnen wichtige Informationen über die derzeit gängigen Therapieformen zur Behandlung von Hirntumoren inklusive dem GliaSite Radio Therapie System (RTS).

Grundlegendes über maligne Hirntumoren

Wir unterscheiden prinzipiell zwei Arten von malignen (bösartigen) Hirntumoren:
Primäre Hirntumore, die ihren Ursprung in Zellen des Gehirns selbst haben und Hirnmetastasen, bei denen es sich um Tochtergeschwülste von Krebserkrankungen anderer Organe handelt.
In Deutschland erkranken jedes Jahr ca. 5.000 Menschen an primären Hirntumoren und ca. 30.000 Menschen an Hirn-Metastasen.
Neben anderen Faktoren sind

  • Art, Lage und Größe des Tumors
  • das Alter des Patienten
  • sein allgemeiner Zustand

von maßgebender Bedeutung für die Behandlungsmöglichkeiten.
Im Allgemeinen stellt das “Nachwachsen”, das sogenannte Rezidiv, im Fall von Hirntumoren ein häufiges Problem bei der Behandlung dieser malignen Tumoren dar.
In über 80% dieser Fälle treten die Rezidive in einem Bereich von 2 cm um die ursprüngliche Tumorlokalisation auf.
Die Wissenschaft arbeitet daran, neue Behandlungsmethoden bereitzustellen, die das Nachwachsen des Tumors begrenzen können oder zumindest in der Lage sind, die Zeitspanne bis zum Wiedererscheinen zu verlängern.

Behandlungsmöglichkeiten: 
Folgende Behandlungsformen für Gehirntumore sind allgemein anerkannt und auf ihre Wirksamkeit hin vielfach überprüft:

  • Neurochirurgische Entfernung des Tumors
  • Strahlentherapie
  • Chemotherapie

Abhängig von der Tumorart kombiniert man auch unterschiedliche Therapiearten.
Im Idealfall bedeutet die neuro-chirurgische Entfernung eines Tumors, dass er unter Schonung des umgebenden Hirngewebes vollständig entfernt werden kann.
Oft kann man dies aber nicht erreichen, da Tumorzellen auch in das umgebende, gesunde Gehirngewebe einwachsen.
Diese Bereiche müssen mit einer Strahlen- oder auch Chemotherapie weiter behandelt werden.
Sollte eine Operation nicht mehrmöglich sein, sind Strahlentherapie und/oder Chemotherapie die verbleibenden Behandlungsarten.

Strahlentherapie
In der Strahlentherapie nutzt man energiereiche Strahlung zur Zerstörung schnell wachsender Tumorzellen unter weitgehendster Schonung des gesunden Gewebes.
Die Strahlentherapie kann als alleinige Maßnahme zur Tumortherapie oder in Kombination mit anderen Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt werden.
In Studien wurde nachgewiesen, dass durch Einsatz der Strahlentherapie die Überlebenszeit verlängert wird.
Man unterscheidet verschiedene Formen der Strahlentherapie:

  • Externe (von außen, percutan)
  • Stereotaktische Radiochirurgie
  • Interne (von innen, Brachytherapie)

Externe Strahlentherapie
Dabei handelt es sich um eine von außen durch die Haut und Schädeldecke hindurch dringende Bestrahlung des Gehirns mit einer außen liegenden Strahlenquelle.
Die Gesamtdosis wird dabei in 5 Sitzungen pro Woche über einen Zeitraum von ca. 5-6 Wochen verabreicht, abhängig von Typ und Lage des Tumors, sowie des Alters und Verfassung des Patienten

Stereotaktische Radiochirurgie
Die stereotaktische Radiochirurgie/-therapie ist als Spezialfall der externen Bestrahlung zu sehen.
Häufig wird dieses Verfahren bei inoperablen Tumoren angewandt bzw. als ergänzende Behandlung zur Operation eingesetzt.
Dabei wird eine aufwendige Bestrahlungsplanung mit CT, MRT und einem stereotaktischen Kopfring zur Verbesserung der Positionierungsgenauigkeit des Strahlenbündels betrieben.
Bei der Radiochirurgie wird die Behandlungsdosis in einer einzigen Sitzung verabreicht.
Im Falle eines Rezidivs sind die heutigen Behandlungsmethoden beschränkt.
Die Strahlenverträglichkeit des gesunden Hirngewebes erlaubt in der Regel nur eine einzige externe Strahlentherapie.
Jüngste Untersuchungen und Entwicklungsbemühungen haben die Vorteile der internen Strahlentherapie als Alternative zur externen Strahlentherapie aufgezeigt.

Interne Strahlentherapie
Zum Zweck der internen Strahlentherapie (auch bekannt als Brachytherapie) für Hirntumore werden Strahlenquellen direkt in den Tumor bzw. das umgebende Gewebe eingebracht.
Für die Brachytherapie des Gehirns gab es bisher nur die Möglichkeit sogenannter Seeds. Hierbei handelt es sich um ungefähr reiskorngroße Bruchstücke eines radioaktiven Stoffes, welche im Verlauf einer Operation über Katheter in den Tumor bzw. in das umliegende Gewebe eingebracht werden.
Der Hauptvorteil dieser internen Strahlentherapie liegt darin, dass eine relativ hohe Dosis unter Schonung gesunden Gewebes unmittelbar an den Tumor abgegeben werden kann.
Da die Strahlungsenergie der für diese Bestrahlungsform gewählten radioaktiven Isotope relativ niedrig ist, wird auch nur Gewebe in unmittelbarer Nachbarschaft der Seeds bestrahlt.

Die klinischen Resultate dieser Bestrahlungsmöglichkeit fallen im allgemeinen gut aus.
Da die Strahlung nicht zuerst von außen durch eigentlichgesundes Gewebe hindurch muss, kann man diese Bestrahlungstechnik auch gerade dann anwenden, wenn vorher bereits eine externe Strahlentherapie durchgeführt wurde. 
Die Brachytherapie ist somit besonders für rezidivierende Erkrankungen angezeigt.
Die Bestrahlung mit dem GliaSite ® RTS (Radio Therapy System) soll die bisher bestehenden Schwierigkeiten, wie Komplexität des Ablaufs der Behandlung, sowie das Auftreten eventueller Komplikationen minimieren.

References:
1. Halligan, et al. Operation and permanent low activity 125I brachytherapy for recurrent highgrade astocytomas. Int J Rad Onc Biol Phys. 1996;35:541-547.2.
Wen, et al. Long-term results of stereotactic brachytherapy used in the initial treatment ofpatients with glioblastomas. Cancer. 1994;73:3029-3036.3.
Loeffler, et al. Results of stereotactic brachytherapy used in the initial management ofpatients with glioblastoma. J Natl Cancer Inst. 1990;82:1918-1921.

 

Das GliaSite® RTS bietet im Bereich der Brachytherapie eine neue Möglichkeit Patienten mitbösartigen Hirntumoren zu bestrahlen.
Dieses Verfahren maximiert die Vorteile der Brachytherapie bei gleichzeitiger Minimierung der Nachteile.
Das GliaSite® RTS erlaubt den Ärzten, die Möglichkeit der Brachytherapie einer größeren Patientengruppe als bisher, zugute kommen zu lassen.
GliaSite® RTS besteht aus einem Ballonkatheter, der mit einer radioaktiven Flüssigkeit (IOTREX) gefüllt wird.

Vorteile
Das GliaSite® RTS bietet Patienten eine Vielzahl von Vorteilen im Vergleich zu anderen Bestrahlungstechniken:

  • Die Strahlenquelle wird direkt an den Ort gebracht, an dem Tumorzellenverblieben sind.
  • Nur ein minimaler Anteil von gesundem Gewebe wird bestrahlt.
  • da die Schädigung gesunden Gewebes durch die Anwendung desGliaSite® RTS minimiert ist, stellt es eine Option für bereits bestrahltePatienten dar.
  • Die gesamte Therapie ist in der Regel innerhalb einer Wocheabgeschlossen, im Vergleich zu einer konventionellen externen Bestrahlung, die sich in der Regel über 6 Wochen erstreckt.
  • Nebenwirkungen, wie bei der externen Strahlentherapie oder Chemotherapie werden vermieden

Der Behandlungsablauf 
Das GliaSite® RTS kommt im Rahmen der Operation zur Resektion / Entfernung des Tumors zum Einsatz.
Nach der operativen Entfernung von Tumorgewebe, wird der luftleere Ballonkatheter des GliaSite® RTS Systems in der entstandenen Resektionshöhle platziert.
Das andere Ende des Katheters, der sogenannte Zugangsport, wird auf dem Schädelknochen, unter der Kopfhaut, fixiert.
Anschließend wird der Ballon zunächst mit einer Mischung aus einem Kontrastmittel und einer Salzlösung gefüllt, sodaß der Ballon in einer Kernspinaufnahme sichtbar ist. Das erlaubt dem Arzt, sich davon zu überzeugen, dass der Ballon sich der Resektionshöhle angepasst hat.
Nach der Operation und der Lagekontrolle durch die Durchführung einer Kernspinresonanztomographie, wird die Kontrastmittellösung aus dem Ballon entfernt und gegen die radioaktive Lösung, das sogenannte IOTREX ausgetauscht.
IOTREX bestrahlt das den Ballon umgebende Gewebe, wo Reste des Tumors vermutet werden.
Das IOTREX verbleibt 3-7 Tage in diesem Ballon.
Die genaue Bestrahlungszeit wird aus der Vorgabe der Ärzte, eine bestimmte Strahlungsdosis in einer festgelegten Gewebetiefe um den Ballon herum erreichen zu wollen, von einem Medizinphysiker berechnet.
Nach Ablauf der Bestrahlungszeit wird das radioaktive IOTREX wieder aus dem Ballon entfernt.
Der Katheter des GliaSite® RTS Systems wird anschließend in einem kurzen, chirurgischen Eingriff wieder entfernt.

Häufig gestellte Fragen

Warum stellt GliaSite® RTS eine sinnvolle Maßnahme zur Behandlung vonHirntumoren dar?
In Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Strahlentherapie nach Entfernung des malignen/bösartigen Hirntumors die Überlebenszeit verlängert. GliaSite® RTS ermöglicht die Brachytherapie, also die Strahlentherapie am Ort des Gewebes, das möglicherweise noch Tumorzellen beinhaltet. Hierdurch wird auch die Strahlenbelastung des gesunden Gewebes reduziert.

In wie weit wird diese Behandlung gesundes Gewebe belasten?
Durch die Platzierung des GliaSite® RTS innerhalb des Gehirns, konzentriert sich die Strahlung auf die Tumorhöhle und deren Randgebiete. Dies minimiert die Strahlenbelastung für das gesunde Gewebe.

Gibt es Erkenntnisse über eventuelle Komplikationen und/oder Nebenwirkungen?
In den bisher erfolgten klinischen Studien waren die beobachteten Komplikationen vergleichbar mit anderen Tumorbehandlungsformen. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Verstopfung, Schlaflosigkeit, Übelkeit können auftreten.

Wie lange ist die Liegezeit des GliaSite® RTS ?
Üblicherweise ist das System 3 – 7 Tage implantiert, abhängig von Ihrem individuellen Bestrahlungsplan.

Muss ich während der Behandlung im Krankenhaus sein?
Zur Zeit verbleiben die meisten Patienten für den Zeitraum der Behandlung mit GliaSite® RTS im Krankenhaus, typischerweise zwischen 3 und 7 Tagen.

Was geschieht, falls Flüssigkeit während der Implantationszeit aus dem Ballonaustritt?
Während der Behandlungszeit wird der Ballonkatheter mit Kochsalzlösung und IOTREX, der flüssigen Strahlensubstanz, gefüllt. Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein zweiter Ballon, der den, mit IOTREX gefüllten Ballon umhüllt. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass dennoch etwas austritt, wird das ausgetretene IOTREX sehr schnell durch Ihren Körper über den Urin ausgeschieden. Studien haben nachgewiesen, dass eine schnelle Ausscheidung über den Urin erfolgt, ohne Strahlenbelastung für andere Organe.

Wird durch diese Behandlung, meine Möglichkeit andere zusätzliche Behandlungsformen zu nutzen, eingeschränkt?
GliaSite® RTS ermöglicht die Bestrahlungstherapie von innen heraus. Dies bringt die Strahlung nächstmöglich an das Gewebe, das möglicherweise noch Tumorzellen enthält. Ob weitere zusätzliche Behandlungen möglich sind, hängt von vielen Faktoren ab, aber eine Therapie mit GliaSite® RTS schließt weitere therapeutische Maßnahmen nicht aus. Andere Behandlungsformen, wie Chemotherapie können auch verschrieben werden.

Wird mich die Behandlung mit GliaSite® RTS für klinische Studien in der Zukunft disqualifizieren?
Eine Teilnahme an einer klinischen Studie hängt immer von den besonderen Patiententeilnahmekriterien für diese Untersuchung ab. Sofern diese Studie die Tatsache einer vorherigen Strahlenbehandlung des Tumors nicht ausschließt, kommen Sie noch für eine Teilnahme in Frage.

Wird die Behandlung mit GliaSite® RTS durch meine Krankenversicherung über-nommen?
Die Brachytherapie ist eine seit langem anerkannte Behandlungsform für maligne Hirntumore und die Kosten werden von den Krankenkassen in der Regel übernommen. Dennoch hängt die Übernahme von der jeweiligen Versicherung ab und muss durch ein Sonderkostenentgelt beantragt werden. Hierzu benötigen Sie oft die Unterstützung Ihres behandelnden Arztes.

Wie kann ich herausfinden, wo GliaSite® RTS angewandt wird?
Die Kliniken, die in Luxemburg, Deutschland, Österreich und der Schweiz für dieses Verfahren zugelassen sind, erfahren Sie über Herrn Engel oder Herrn Göhl von der neuro-competence.

Weitere interessante Seiten zu GliaSite:
http://www-cuk.med.uni-rostock.de/nchir/html/body_gliasite.html
http://www.medi-learn.de/medizinstudium/campus/Studium/Aktuelles/Archiv/Hirntumore/
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/default.aspx?sid=295415

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